Eigenlob stinkt!
- Nadja Hossack
- vor 8 Stunden
- 6 Min. Lesezeit
Ich sitze im Zoom-Call mit einem meiner Coachees und kann seine Gedanken und Gefühle so sehr nachvollziehen: “Eigenlob stinkt. Und gleichzeitig möchte ich ja über das Thema »systemische Führung« hier auf LinkedIn sprechen und aufzeigen, wie ich mit meinen Kolleg:innen umgehe und warum.”
”So ist es.”, sag ich. “Ich kann mich erinnern, dass wir schon einmal darüber sprachen. Kennst du noch den Unterschied zwischen authentischen und hubristischen bzw. anmaßenden Stolz?”, frage ich ihn mit einem Schmunzeln.
Er schüttelt den Kopf und hat einen fragenden Blick.
”In der Neurobiologie spricht man auch von Grundmotiven, die weitestgehend erfüllt sind, weshalb wir mit unserem Leben zufrieden sind und uns in unserer »Mitte« fühlen.
In einer meiner Ausbildungen in der Eilert Akademie® arbeiten wir mit 4 neurobiologischen Grundmotiven, nach denen jeder Mensch strebt. Es sind zentrale Motive des menschlichen Handelns. Eine dauerhafte Nichtbefriedigung bzw. Verletzung einer oder mehrere dieser Felder führt dazu, dass unsere psychische Gesundheit und unser Wohlbefinden leiden und wir dadurch sogar krank werden können (z.B. Depressionen).
Die 4 Grundmotive für unser emotionales Wohlbefinden:
Durchsetzung & Einfluss (rotes Feld, Ich-Identität)
Ordnung & Stabilität (blaues Feld, Status-Quo)
Harmonie & Geborgenheit (grünes Feld, Wir-Identität)
Inspiration & Leichtigkeit (gelbes Feld, Persönlichkeitsentfaltung)
Was empfindest du, wenn du an «Eigenlob stinkt» denkst?”
”Naja, ich will so nicht sein. Ich will kein alter weißer Mann sein und eine «Trump-Führung» leben.”
”Also empfindest du was genau?”, frage ich nochmal.
”Naja…ich lehne so ein Verhalten eben total ab.”
”Fühlst du dich dann schuldig? Schämst du dich für so eine Aussage?”
”Ja, wahrscheinlich. Mir ist es eben wichtig nicht mich in den Mittelpunkt zu stellen sondern die Anderen.”
Ich nicke liebevoll und sehe die Anspannung in seinem Gesicht. Freeze. Ich weiß, hier gehts nicht weiter, wenn wir es nicht schaffen, tiefer zu schauen und zu fühlen.
”Pass auf. Ich weiß wie kraftvoll und sicher deine Haltung und deine Werte sind. Ich sehe wie achtsam und behutsam du deinen Kolleg:innen gegenüber bist. Authentischen Stolz zu empfinden stärkt genau diese beiden Dinge. Unsere Gedanken, Emotionen und Gefühle pendeln u.a. immer auf der Achse »Ich vs Wir«. Wir müssen uns zugehörig fühlen. Und gerade, wenn wir sehr viel Strenge und unsichere Bindung als Kind erfahren haben, sind uns die Motive “Harmonie und Geborgenheit” sehr sehr wichtig. Und gerade du, kannst dir da auch sicher sein, dass diese Motive immer deine starken Begleiter sein werden, da du so etwas erfahren hast.
Was hat das jetzt mit deinem »stinkigen Eigenlob« und authentischen Stolz zu tun? Du darfst stolz darauf sein, dass du durch DEIN EIGENES HANDELN etwas erschaffen hast, was du - und offensichtlich auch deine Kolleg:innen - für gut empfinden. Deine offene und wohlwollende Haltung andere in ihrer Selbstwirksamkeit zu stärken, indem du ihre Stärken, Handlungen und Entscheidungen spiegelst, hat etwas mit deiner Haltung und deinen Werte zu tun. Du stehst in diesem Moment für Dich und deine Lebenseinstellung ein. Darauf kann man doch stolz sein, oder nicht?”
”Mh.” Ich sehe wie es in ihm arbeitet.
”Die Art von stinkigen Eigenlob, die du meinst ist der anmaßende Stolz. Man könnte auch sagen: “Sich mit anderen Federn schmücken” oder die Person glaubt, sie sei aufgrund ihrer Identität (z.B. Intelligenz, Herkunft, Aussehen) überlegen, nicht aufgrund spezifischer Handlungen. Das tust du in diesem Fall nicht. Ein weiteres klares Beispiel dafür wäre, wenn jemand sagt: “Ich bin stolz darauf Deutscher zu sein.” - ohne dafür etwas gemacht zu haben. Er hatte einfach das Privileg in Deutschland geboren zu sein, einen deutschen Pass zu bekommen und fertig. Hat diese Person irgendetwas dafür getan? Die Person kann dankbar dafür sein. Man kann auch bewundern, wie deutsche Literaten und Künstler die deutsche Kultur geprägt haben. Oder was auch immer einen an diesem Land gefällt. Aber stolz darauf sein? Während authentischer Stolz oft verbindend wirkt, führt hubristischer Stolz zur Abgrenzung, nach dem Motto "Ich bin besser als ihr." Dieser stinkige Stolz wird in der Psychologie.”
”Mh. Verstehe. Aber was habe ich und andere denn davon, dass ich gut finde, was ich erschaffen oder getan habe? Ist doch voll egoistisch.”
”Authentischer Stolz ist (im Gegensatz zu anmaßenden Stolz oder auch Verachtung) auf gesunde Weise selbstreflektiv. Bei Stolz gehen wir nicht nur eine Beziehung mit unserem idealen Ich von morgen ein sondern fördern auch die soziale Verbindung. Im Gegensatz zur Überheblichkeit wirkt authentischer Stolz inspirierend auf andere und macht dich laut des Psychologischen Institut der UZH sympathischer:
"Lange Zeit hat man sich mit der Frage beschäftigt, ob auch der Stolz eine Basisemotion darstellt. Stolz ist eine Emotion, die etwas mit eigener Leistung zu tun hat und das Erleben von Stolz ist eine wichtige emotionale Voraussetzung für die Leistungsmotivation. Wenn wir stolz auf unsere Leistungen sein können, sind wird nicht mehr abhängig von unmittelbarer Belohnung und können nur so überhaupt langfristige Ziele verfolgen. Das alles würde dafür sprechen, dass Stolz eine Basisemotion ist und daher kulturunabhängig verstanden wird."
Du kannst dich regelmäßig fragen: Worauf bin ich stolz, was ich durch mein eigenes Handeln erzeugt habe?
Das müssen keine großen und verrückten Dinge sein. Das sind Kleinigkeiten, wie:
morgens es geschafft zu haben für eine Minute zu meditieren,
nicht sofort nach dem Aufstehen einen Kaffee getrunken zu haben,
30 min Sport gemacht zu haben,
in bestimmten Situationen ruhig geblieben zu sein usw.
Authentischer Stolz stärkt unseren Selbstwert und somit unseren Mut, unsere Autonomie, auch unsere Ausdauer an etwas dranzubleiben sowie unsere Selbstbestimmung und vieles mehr.
Du findest doch gut, dass du deinen Kolleg:innen spiegelst, wie mutig und selbstbestimmt sie in gewissen Situationen waren, oder?”, frage ich ihn und hole einmal tief Luft.
”Ja.”, nickt er mit einem leichten Lächeln auf den Lippen.
”Warum?”, frage ich und rücke etwas näher an die Kamera.
”Naja, es motiviert wiederum andere Kolleg:innen gut für sich zu sorgen und sich mitzuteilen. Es schafft einen Raum der Vertrautheit und Authentizität.” Seine Gesichtszüge sind weicher und ich sehe etwas Stolz in seiner Kopfhaltung. Das Kinn ist etwas angehoben, die Augen sind weit, weich und strahlend und ein Lächeln ist nun nicht mehr zu übersehen.
Ich lasse eine lange Atempause entstehen. Lächel in die Kamera. Er lächelt zurück.
“Spür doch mal in deinen Körper.” Ich wiederhole, was er eben gerade gesagt hat. ”Wie fühlt sich das an?”, frage ich.
”Gut.” Er wirkt immer noch sehr in sich ruhend.
“Und was genau empfindest du gerade in deinem Körper?”
”Ein warmes und ruhiges Gefühl in der Brust.”
”Und ich sehe auch, wie aufrecht du auf einmal sitzt. Deine Schulter sind entspannt und dein Kinn ist leicht angehoben. Deine Mundwinkel gehen nach oben und deine Mimik ist sehr entspannt und fröhlich.”, beschreibe ich.
Pause.
“Spür da jetzt einmal länger rein.” , und ich wiederhole noch einmal, warum er es für wichtig hält seine Kolleg:innen wohlwollend zu spiegeln.
”Fühlt sich gut an.”, sagt er nach einer ganzen Weile fühlen.
”Also. Was genau ist jetzt nochmal schlimm daran, dass du darüber schreibst, welche tollen Erlebnisse du mit diesem Tool der Spiegelung schon in deinem Team gemacht hast?”
”Hm. Eigentlich nichts.”
“Also versichere dich doch nochmal bei den beiden Kolleginnen, so wie du es vor hattest und dann teile diese Erfahrungen doch mit uns - der Öffentlichkeit. Es sind wirklich schöne Beispiele für eine deiner Kernthemen als Personal Brand.”
”Ja, das stimmt.”
”Beobachte dich dabei und wenn du merkst, dass die stinkigen Eigenlob-Gedanken wieder hochkommen, erinnere dich daran, dass dein Handeln eben deine Werte widerspiegelt und du dich immer wieder traust dafür einzustehen. So, wie es deine Kolleginnen in den Beispielen eben auch getan haben. Spür in deinen Körper, atme und lasse das angenehme Gefühl größer werden.”
”Okay. Ich versuchs!”
Kennst Du diese Gedanken rund um Social Media und Personal Branding?
Ich denke schon. Zumindest die meisten von uns, haben immer wieder diese Gedankenspirale. “Was habe ich denn schon zu sagen?” Ich persönlich finde es im ersten Moment auch gesund so zu denken und gleichzeitig bin ich 100% davon überzeugt, dass Du ziemlich viel zu erzählen hast, was andere bewegt und inspiriert.
Ich helfe Menschen - das sind Unternehmer:innen, Coaches, Berater:innen und Kreative - dabei nicht nur ihren roten Faden in ihrem Storytelling und ihrer Markenidentität als Personenmarke zu finden sondern auch innere Blockaden auf körperlicher Ebene zu lösen. Denn dort finden wir den Hebel, sodass "dein Kopf" dir auch andere Gedanken erlaubt und dass deine bisherigen Ansichten und Überzeugungen dich nicht mehr blockieren und davon abhalten überhaupt anzufangen. In diesem Beispiel hier erwähne ich nicht die unangenehmen Emotionen und Körperempfindungen, die mit der blockierenden Überzeugung »Eigenlob stinkt« einhergehen können. Sie sind aber ganz normal und genau da setze ich auch an.
Personal branding isn't about you. It's about the vision you want to bring to life for others.
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